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Vorwort

 

Dorfklatsch

 

Heute habe ich beschlossen, ein Buch über mein Dorf zu machen.

Das soll mir helfen, mich besser erholen zu können von den Aufgaben, von denen ich trotz guter Vorsätze nicht lassen kann.

Ich werde meinen Fernsehkonsum auf die wichtigsten Fußballspiele reduzieren, weniger Trübsal blasen und dafür mich erinnern an die schönsten und die eindrucksvollsten Geschichten meiner nunmehr längst vollendeten zwanzig Jahre Dorfleben.

 

Heute Vormittag beim Haareschneider in Schmölle, wie die Leute hier zu unserer Residenz Schmölln sagen, fielen mir so viele Geschichten ein, daß das Ganze Gefahr lief, schon bei den Vorüberlegungen den Umfang eines Romans von Thomas Mann anzunehmen. Mit dem will ich natürlich nicht konkurrieren. Aber wenn ich meine Erinnerungen anzapfe, dann ist es mehr als das, was ich hier zu Papier bringen kann. Das Leben ist voller Geschichten, und Geschichtenerzähler lernte ich im Laufe der zwanzig Dorfjahre einige kennen. Denke ich an meinen alten Freund Willy Salomon, wenn der in meinen Garten kam, um sich zu unterhalten.

 

Was für ihn bedeutete, eine Geschichte nach der anderen aus seinem langen Leben zu erzählen, so hätte ich mir manchmal gewünscht, ich hätte ein Tonband laufen lassen können. Oder die Maria-Post, das war spannend, so als ob man im Laden von Erwin Strittmatter las, wenn die Gute mal beim Postaustragen eine kleine Pause machte und ihre Geschichten, wie die von Camilla und Pepponina zum Besten gab.

 

Nun bin ich selbst auf mich neugierig, ob ich das mobilisieren kann, was sich in mir alles im Laufe der Jahre angesammelt hat.

 

Wenn ich Bilder aus meinem Dorf zeichne - ich begann damit um die Schmiede herum schon im vergangenen Jahr - dann denke ich natürlich an meine Reisen in ferne Lande, Ägypten, Israel, Griechenland, Italien, die Kanarischen Inseln, wo die Kanarienvögel gar nicht herkommen! Alles das war schön, und es ist ein Glück, endlich reisen zu dürfen, und keiner muß es einem genehmigen. Aber ich spüre: Das Wiederkommen ist noch schöner, und das Hiersein muß doch nicht, wie die Nachbarn häufig jammern, so wie auch ich manchmal, Einsamkeit sein. Mach die Augen auf, und sieh, was alles um dich herum wächst und lebt und steht, ermuntere ich mich und fang mal an.

 

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