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VORWORT

 

Als junger Mensch habe ich Tagebücher geschrieben und dabei gespürt, dass das Wortefinden für Erlebstes und Gedachtes in gewisser Weise eine therapeutisch-befreiende und klärende Wirkung haben kann.

Später habe ich das dann gelassen, als ich merkte, dass es in der Familie gewisse neugierige Schnüffler gab, die meinen Texten nachspionierten. Dann, noch später, fand ich keine Zeit mehr für solches Tun. Mich beschäftigten Fachtexte mit Fachsprache und nahmen mich so in Beschlag, dass ich nicht einmal mehr Zeit fand, andere Texte von anderen Schreibern aufzunehmen, die sich über das Leben äußerten und nicht über ein "Fach".

Dann schloss sich eine Zeit an, in der ich mich von Fachtexten befreite und endlich Zeit fand, Texte über das Leben zu lesen, solche von Schreibern der Gegenwart und der Vergangenheit. Das war wie eine große, neue Entdeckungsreise, verbunden auch mit dem Entdecken der eigenen Sprach- und Ausdrucksneugierde für die Dinge und Gedanken, die mich unmittelbar umgeben und beschäftigen.

Das In-Sprache-bringen der allgemein als klein eingestuften Dinge des täglichen Lebens, das genaue Beobachten, das Sich-Interessieren für die Natur, in der ich lebe - alles das bekam ich bestätigt bei vielen Schreibern, besonders aber bei Erwin Strittmatter, dessen Klein- und Kleinstgeschihchten, aber auch dessen Sprachentwicklung mir besonders nahe stehen und Vorbild sind.

Wo ist das Eigene, wo schwappt das Gedanken- und Sprachspiel anderer ins Eigenen hinein? Diese Frage kann ich bei aller ehrlichen Selbstbefragungen nicht beantworten. Eins aber kann ich sagen: Anlass für jede dieser Geschichten war das eigene Erleben, die eigene Beobachtung, die eigenen Gedanken, die in mir nach Sprache verlangten, damit ich sie ein wenig besser loswerden und betrachtend bewältigen konnte.

 

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